Europas führende Elektronikfirmen bei HTV

Europas führende Elektronikfirmen bei HTV


Am 14. und 15. April trafen sich 35 Mitgliedsfirmen des Interessenverbunds für Qualität (IVQ) unter denen sich eine Vielzahl namhafter Elektronikhersteller für den Automobil- und Industriebereich befinden, beim Hochleistungszentrum für elektronische Bauteile HTV in Bensheim und wurden dort von Bürgermeister Thorsten Herrmann begrüßt.

Hauptthemen waren unter anderen:

·         „Internationale Beschaffung elektronischer Bauteile und deren Gefahren“

·         „Elektromigration an elektronischen Komponenten“

·         „Einfluss von Höhenstrahlung auf elektronische Bauteile“

 

Das wesentliche Ziel des IVQ, der bereits seit mehr als 20 Jahren besteht und der von HTV geführt wird, ist die gegenseitige Information der Mitglieder im Falle auftretender Qualitätsprobleme bei elektronischen Bauelementen sowie ein gemeinsames Auftreten gegenüber den Herstellern. Grundgedanke ist der wechselseitige Austausch wichtiger Informationen. Somit lebt der „Interessenverbund Qualität“, dessen Mitgliedschaft kostenlos ist, vom gegenseitigen Geben und Nehmen und dem ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder.

Alle sechs Monate trifft man sich abwechselnd bei den verschiedenen Mitgliedsfirmen, um sich durch informative und hochaktuelle Vorträge über zeitgemäße und aktuelle Themen auszutauschen. Durch die gegenseitigen Besuche erhalten die Teilnehmer zusätzlich auch immer eine Fülle von Anregungen aus den Partnerunternehmen.

 

Speziell das Thema „Einfluss von Höhenstrahlung auf elektronische Bauteile“, über das von den HTV-Halbleiter-Spezialisten Henry Schäf und Jürgen Ernst referiert wurde, besitzt eine enorme Brisanz. Seit vergangenem Jahr kommen immer häufiger, mittlerweile fast wöchentlich, Firmen auf HTV zu und bitten um Hilfe: Bei ausgelieferten und bereits im Einsatz befindlichen Geräten, stimmen plötzlich, wie von Geisterhand, die Programme in den Speicherbausteinen nicht mehr. Dies kann zum Teil katastrophale Auswirkungen haben: Wird auch nur eine einzige Zelle verändert, funktioniert möglicherweise die gesamte Software nicht mehr oder liefert falsche Ergebnisse zurück. Dies führt zum Beispiel bei medizinischen Geräten, Fahrzeugen, Flugzeugen und Maschinen zu Gefahr für Leib und Leben!

Das Phänomen der Informationsverfälschung durch „Bitkipper“ ist bei HTV bereits seit einiger Zeit sehr gut bekannt.

Die Ursache hierfür liegt oftmals in der Höhenstrahlung oder auch anderen hochenergetischen Strahlungsarten, wie z.B. der Gamma- und Röntgenstrahlung in Kombination mit den immer kleineren Abständen auf den heutigen Elektronik-Chips.

Obwohl das Magnetfeld unserer Erde uns recht gut vor Strahlungen aus dem All schützt, durchdringt trotzdem ein Teil dieser so genannten Höhenstrahlung den Schutzmantel der Atmosphäre und ist bis in Tiefen von mehreren Hundert Metern unter der Erde feststellbar. Mit zunehmender Höhe nimmt die Teilchenstrahlung zu, sie ist also im Flugzeug oder im All am stärksten.

Die Strukturen unserer modernen Halbleiterspeicher sind mittlerweile so klein, dass durch hochenergetische Teilchenstrahlung erzeugte freie Ladungsträger, die in den Speicherzellen enthaltene Information kurzzeitig oder auch permanent verändern können.

Untersuchungen durch die Forscher bei HTV zeigen unterschiedliche Phänomene. So kann es sein, dass diese vagabundierenden Ladungen in Abhängigkeit von der Dosis und der Bauteilarchitektur nach Sekunden, Minuten, Stunden oder auch Tagen  wieder zurück in ihre Ursprungslage wandern und somit die Information wieder korrekt ist. Dies ist aber nicht immer so, da der Teilchenbeschuss speziell bei hoher Dosis auch zu einer Zerstörung bestimmter Teilbereiche führen kann.

Es kommt also in beiden Fällen zu Bitkippern und somit zumindest zeitweise zu einem Informationsverlust. Ein erneutes Programmieren der Zellen gelingt häufig, vorausgesetzt es liegt keine hardwaremäßige Schädigung vor.

Um die Empfindlichkeit von Bauteilen bezüglich eines Informationsverlustes unter Strahleneinwirkung zu reduzieren, entwickeln bei HTV seit Mitte des vergangenen Jahres mehrere Ingenieurteams eine wegweisende, ganz neue Art der Programmierung. Diese soll der Teilchenstrahlung wesentlich besser widerstehen und wird voraussichtlich in den nächsten Monaten unter der Bezeichnung BIP® (Best Information Preservation) zur Verfügung stehen.

 

Der weitere Teil der IVQ-Vortragsreihe  befasste sich unter anderem mit dem ebenfalls hochbrisanten Thema der „Kopien und Fälschungen elektronischer Bauteile“.

Sind bisher bereits ca. 10 Prozent der über den freien Markt beschaffbaren Bauteile gefälscht, so wird dieser Anteil durch die Japankrise weiter steigen und die Verbreitung von Fakes beschleunigt. Diese Fälschungen werden fast täglich professioneller hergestellt, so dass es immer schwieriger wird, sie als solche zu erkennen. Zum einen sind für die sichere Identifikation immer aufwendigere Tests und Analysen erforderlich, die bei dem Testhaus HTV auch zur Verfügung stehen. Auf der anderen Seite ist die gute Zusammenarbeit mit einem gewissenhaften Beschaffungs-Dienstleister notwendig, der seine Quelle kennt und bis zum Ursprung verfolgt. Marco Sündermann und Andy Molnar-Sipan der Firma DIS-TEC aus Langwedel legten hierzu sehr ausführlich Ihre Vorgehensweisen und Konzepte dar.

 

Im Rahmen des diesmaligen IVQ-Treffens wurden die Mitgliedsfirmen Océ und STILL geehrt und erhielten die Auszeichnung TABANUBIS®, die den Firmen eine wirkungsvolle Langzeitverfügbarkeit Ihrer Produkte unter Verwendung des HTV- Langzeitkonservierungsverfahrens TAB® bescheinigt.

 

Den Schlusspunkt des Meetings setzte Edbill Grote, Geschäftsführer und Gründer der HTV GmbH, mit seiner neuen Strategie: „Neue Projekte werden nur noch in Angriff genommen, wenn Alleinstellungsmerkmale da sind. Wir haben unendlich viele Ideen in der Pipeline.“ Dies empfahl er auch allen anwesenden Firmen, denn seiner Überzeugung nach kann sich jeder auf seinem Gebiet Alleinstellungsmerkmale schaffen. Speziell für Europa sei dies enorm wichtig.

 

Mit einer Aufforderung zur Tat beschloss Edbill Grote das IVQ-Treffen:

„Zunächst über Alleinstellungsmerkmale nachdenken.  Dann kommt das Wichtigste: Nämlich das Tun“.


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